Im konservativen Mainstream wollte man möglichst nicht landen. Das war zwar immer schon politisch, aber das wurde ganz unpolitisch über Kunst und Kultur erlebt und ausgelebt. Der Grund war ein persönliches Unbehagen, ein „ich bin so nicht, ich will so nicht werden“, die Individualität und persönliche Komplexität ließ sich nur über Subkulturen formulieren, realisieren und erkennen. Eine persönliche und intime Kultur. Der Mainstream war Klischee, in der Subkultur konnte andere Ideen, Gefühle und Geschichten ihren Platz finden.
Heute vollzieht sich die Unterscheidung politisch und teilt sich in rechts und links, weil das, was vorher das Individuum ausgemacht hat, jetzt vollkommen bzw. immer auch sozial ist. Am anderen vollzieht sich das Individuum, aber es vollzieht sich an allen anderen und unüberschaubaren Größen.
Man erkennt sich nicht wieder, findet keinen Platz und keine persönliche Sprache, also trägt man sein Individum zum Therapeuten und versucht, sich dort zu finden.
Das Selbst ist vergesellschaftet.
Clubs, Plattenläden, Buchläden, Jugendzentren waren die Orte, an denen man sich nicht gleich unter den Blicken einer sofort reagierenden Öffentlichkeit befand.
Auf der anderen Seite kann man sagen, dass durch die Politisierung und Demokratisierung eine ganz andere Aufmerksamkeit entstanden ist, die inklusiver ist, weil Mainstream heute etwas ganz anders bedeutet. Niemand muss sich mehr den Zwängen einer Subkultur anpassen. Die Welt ist deswegen aber nicht safer geworden, im Gegenteil. Das soll auch gar kein romantisches Gejammer sein, aber das, was man immer schon gemacht hat, nämlich sich von früheren Kulturformen inspirieren lassen und teilweise wieder aufgreifen. Die Altvorderen mögen das augenrollend als nicht originalen, romantischen Abklatsch finden, aber Originalität für sich in Anspruch nehmen anstatt die Entwicklung zuzulassen, ist extrem kleingeistig.
Ich will ja nur aus der Geschichte lernen und erkennen, wo Dinge schief gelaufen sind, wo ich etwas korrigieren möchte. Ganz persönlich, ganz privat, weil das mein Radius ist.
Subkultur hat etwas ganz Wichtiges geboten und ermöglicht. Das Leben ist ja keine Bahnstrecke, die man durch Weichen in Richtungen lenkt, sondern eine hochkomplexe Gegenwart. Und bewusste Gegenwärtigkeit ist mein Ziel.
Und das mit dem Individuum, Gruppen, Allgemeinheit, Beziehung und Kommunikation muss immer wieder neu beobachtet werden.