Sich wappnen mit True Crime

Wenn Men­schen sich für wah­re, unvor­stell­ba­re Ver­bre­chen inter­es­sie­ren, könn­te es dar­an lie­gen, dass sie empa­thisch sind, Erklä­run­gen suchen und sich wapp­nen wol­len.

Selbst­schutz, Empa­thie und Gerech­tig­keits­sinn erklä­ren also in wei­ten Tei­len die weib­li­che Fas­zi­na­ti­on für True Crime.

Die For­schung steht noch am Anfang. So ist bis­lang auch nicht gut unter­sucht, ob True-Crime-Kon­sum nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen haben und uns im All­tag ängst­li­cher, para­no­ider oder gewalt­be­rei­ter machen kann. Mein Rat: kei­ne Sor­ge, wenn Sie True Crime mögen und sich gut dabei füh­len. Wenn sich Ihre Gedan­ken jedoch unab­läs­sig um Ver­bre­chen dre­hen, gön­nen Sie sich bes­ser eine Pau­se – und wen­den Sie sich wie­der den hel­le­ren Sei­ten des Lebens zu.

War­um mögen Frau­en True Crime?

Mei­ne bei­den Töch­ter hat­ten eine True Crime-Pha­se, die genau dadurch gekenn­zeich­net war, dass sie fas­sungs­los und inter­es­siert waren, genug unan­ge­neh­me Erleb­nis­se selbst hat­ten und gene­rell ein­fach wis­sen woll­ten, womit sie es da schlimms­ten­falls zu tun haben. Das sind ima­gi­nier­te Worst-Case-Sze­na­ri­en. Das Ergeb­nis der Unter­su­chung über­rascht mich nicht.

Und:

… auch Freu­de am Rät­sel­ra­ten, die Sehn­sucht nach Rea­li­täts­flucht oder ein Bedürf­nis nach star­ken Emo­tio­nen spie­len bei man­chen eine Rol­le.

Auf der ande­ren Sei­te steht die Kri­tik an der Pro­duk­ti­on, näm­lich, dass man­che For­ma­te nur Sen­sa­ti­ons­gier befrie­di­gen. Die Kri­tik an der Mach­art ist sicher berech­tigt, nur steht eben bei Rezi­pi­en­ten mög­li­cher­wei­se weni­ger Sen­sa­ti­ongier dahin­ter als viel­mehr ein rea­ler Bedarf, weil sie sich bedroht füh­len (müs­sen). Bei 93 % der Befrag­ten (600 Per­so­nen) in der Stu­die waren die pri­mä­ren Moti­ve Selbst­schutz, Empa­thie und Gerech­tig­keits­sinn.

Medi­en­kri­tik beschäf­tigt sich schein­bar oft mit der Pro­duk­ti­on und unter­stellt Rezi­pi­en­ten etwas, was weder unter­sucht noch bewie­sen ist.

Ich wür­de sogar soweit gehen, dass man­che Medi­en­kri­tik rei­ne Heu­che­lei ist und nur unter dem Vor­wand, die Ästhe­tik zu betrach­ten, ins­ge­heim die Eigen­schaft den Rezi­pi­en­ten zu unter­stel­len: dumm, kit­schig, ober­fläch­lich, sen­sa­ti­ons­geil, bou­le­var­desk etc. Man­che Medi­en­kri­tik rich­tet sich schein­bar gegen das Medi­um, kri­ti­siert aber durch Unter­stel­lun­gen die Rezi­pi­en­ten. Das ist so als wür­de man jeman­den für schi­zo­phren hal­ten, der eine Van-Gogh-Aus­stel­lung besucht. Wer True Crime-Geschich­ten anhört oder liest, wird für sen­sa­ti­ons­geil gehal­ten. Wer Ego-Shoo­ter spielt, für gewalt­be­reit. Wer Fan­ta­sy liest, für rea­li­täts­fern. Die Kri­tik gibt vor, das Medi­um zu betrach­ten, wer­tet aber die Men­schen ab, die es nut­zen.

Die­se Tren­nung zwi­schen Geschmack und Ana­ly­se fehlt mir oft. Ein­fach mal den Weg über das Gefühl wagen, nach­fra­gen, zuhö­ren. Ich bin davon nicht frei, in Bezug auf Musik wird man mir das auch anmer­ken, aber zumin­dest reflek­tie­re ich das und stel­le mein geschmack­li­ches Urteil in Fra­ge. Die Hal­tung wirft einen näm­lich auf sich selbst zurück. Und durch zuneh­men­de Medi­en­for­ma­te wird man schnell ori­en­tie­rungs­los, aber ein­fa­che Urtei­le und Regeln hel­fen wenig. Des­halb bin ich für sol­che oben genann­ten Unter­su­chun­gen dank­bar.

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