Wie mein Gehirn funktioniert

Die Ergeb­nis­se der Hirn­for­schung der letz­ten Jah­re bekom­me ich nur am Ran­de mit und auch nur in Teil­ergeb­nis­sen. Ich habe nie mein Wis­sen auf Stand gebracht, was zur Fol­ge hat, dass es mitt­ler­wei­le über­holt ist. So wie das Modell von der Geschmack­rich­tungs­land­kar­te auf der Zun­ge (es gibt kei­ne) oder dass Plu­to ein Pla­net sei (er ist nur ein Zwerg­pla­net).

Was die Hirn­for­schung beob­ach­tet und wel­che Begrif­fe sie veri­fi­ziert, ist mehr als Wort­klau­be­rei. Die Ergeb­nis­se haben zen­tra­le Begrif­fe ver­än­dert oder anders gewich­tet, mit denen bzw. über die ich täg­lich spre­che: Wahr­neh­mung, Rea­li­tät, Gedächt­nis, Umwelt, Kul­tur, Kör­per. Begrif­fe wie „Kör­per­buch­füh­rung“ oder „Vor­her­sa­ge­or­gan“ sind neue, anschau­li­che Arbeits­be­grif­fe, die erst ein­mal rei­chen müs­sen.

Ich habe mir das Buch „Sie­ben­ein­halb Lek­tio­nen über das Gehirn“ von Lisa Feld­man Baret besorgt und wer­de es jetzt regel­recht durch­ar­bei­ten, um nicht ein­fach bloß erstaunt zu sein oder einen Ein­druck zu bekom­men, son­dern um wirk­lich mei­ne Vor­stel­lung über die Funk­ti­ons­wei­se des Gehirns zu ändern. Es geht schließ­lich um mein zen­tra­les Denk­or­gan.

Und damit bin ich schon bei der ers­ten hal­ben Lek­ti­on: Das Gehirn ist nicht zum Den­ken da. Das ist kei­ne Spitz­fin­dig­keit oder Wort­klau­be­rei. Man muss den Begriff Den­ken neu den­ken, denn unser Gehirn ist so etwas wie ein Vor­her­sa­ge­or­gan, und zwar denkt es nicht nur Vor­her­sa­gen, son­dern setzt moto­ri­sche Abläu­fe bereits in Gang, wenn wir sie erst im Nach­hin­ein als Absicht erken­nen.

Wir besit­zen ein Gehirn, um damit unse­re Kör­per­buch­füh­rung (Allo­sta­se) steu­ern. Alles, was wir zum Leben brau­chen, wird über das Gehirn gesteu­ert, und das sind nicht nur Was­ser und Brot, son­dern auch sozia­ler Aus­tausch, Kul­tur, und so wei­ter, weil wir auch das zum Leben brau­chen, aber dazu spä­ter mehr. Es ist erst ein­mal ganz sinn­voll, sich die­sen einen Sinn vor Augen zu füh­ren: wir leben, um zu leben.

Ich weiß lei­der nicht mehr, wo ich es gele­sen habe (Fei­nin­ger?), aber den einen Satz wer­de ich nie ver­ges­sen: phy­si­ka­lisch betrach­tet, sind wir so etwas wie Durch­lauf­er­hit­zer.

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