2022

Die Toch­ter hat jetzt Abitur, das sie voll­kom­men allei­ne und in Selbst­dis­zi­plin durch­ge­zo­gen hat. Ich hör­te sie ab, mit ihren voll­ge­schrie­be­nen Kar­tei­kar­ten, an denen noch zusätz­lich Papier geklebt war, weil der Platz nicht reich­te. Ich fühl­te mich sel­ten so unwis­send und hat­te Hoch­ach­tung vor ihrer Leis­tung, denn das, was die Schü­ler sich heu­te an Wis­sen aneig­nen müs­sen, ist ein Viel­fa­ches von dem, was ich wis­sen muss­te.

Im Som­mer waren wir am Gar­da­see. Ich muss nir­gend­wo anders hin. Über­nächs­tes Jahr will ich aber nach Irland.

Mit den Freun­den aus mei­ner Jugend bil­de­ten wir eine Whats­app-Grup­pe und ver­ab­re­de­ten uns. Nach drei­ßig Jah­ren tra­fen wir uns wie­der, was wir jetzt regel­mä­ßig machen.

Auch die Musik­grup­pe ist am Leben, was der Initia­ti­ve zwei­er Freun­de, die sich seit der Schul­zeit ken­nen, zu ver­dan­ken ist. Unse­re klei­ne Drei­er-Band wird nächs­tes Jahr auf­tre­ten. Wir spie­len unse­re Lieb­lings­lie­der.

Mei­ne neue Lei­den­schaft ist lei­der so schnell ver­gan­gen, wie sie ent­flammt ist. Irish Dance ist weit­ge­hend gestor­ben (wegen der Ver­let­zung im Knie). Gene­rell weiß ich nicht, wie es mit dem Tan­zen wei­ter­geht. Aber es ist ja nicht der Tanz, es ist die Bewe­gung und die Musik, die ich brau­che. Ich kon­zen­trie­re mich jetzt wie­der etwas mehr auf die Musik, so wie in der Lock­down-Zeit.

Bewe­gung, Alter und Gesund­heit – das krie­ge ich nicht gut auf die Rei­he, ich weiß nicht, wo ich ste­he und wo mei­ne Gren­zen sind. Ich kann mehr machen als ich den­ke und gleich­zei­tig auch weni­ger. Ich habe Arthro­se oder Rheu­ma, so genau weiß wohl nicht mal mein Ortho­pä­de das. Viel­leicht war es erst Rheu­ma (der ist jung und hat was mit den Gelen­ken), jetzt ist es Arthro­se (der ist alt, Knor­pel und Bin­de­ge­we­be bil­den sich zurück).

Lau­fen ist gestor­ben. Ich habe beim Fir­men­lauf mit­ge­macht, für Bewe­gung, Atmung und Kreis­lauf war das gut, aber da fin­gen die Schmer­zen im Knie an.

Ich bin ins Lesen rein und wie­der raus­ge­kom­men. Lesen ist eine Art zu den­ken, die ich mag und brau­che, aller­dings mer­ke ich, dass das viel weni­ger ist als das, was man sich dar­un­ter vor­stellt. So wie ich jeden Mor­gen Hafer­flo­cken mit gekoch­tem Was­ser esse, ist es eine recht emo­ti­ons­lo­se Ange­le­gen­heit.

Ich hat­te mir die­ses Jahr vor­ge­nom­men, glück­li­cher zu wer­den und weiß auch, wie ich das ange­stellt hät­te. Statt­des­sen habe gelernt, Gren­zen zu set­zen. Schön ist das nicht, aber Hei­lung ist nun mal wich­ti­ger, denn am Ende ist mir mein Frie­den wich­ti­ger als mein Glück.

Fast ver­ges­sen: die­ses Jahr hat­ten wir wie­der einen Auf­tritt. Der im nächs­ten Jahr ist schon geplant, grö­ßer die­ses Mal. Ich soll­te das mit dem Knie mög­lichst schnell über die Büh­ne krie­gen.

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