Führen und geführt werden

Das ist jetzt ein Social-Dance-The­ma. Beim Bal­lett ist die Cho­reo­gra­fie vor­ge­ge­ben und so gibt es auch kein Füh­ren, denn die Füh­rung liegt bei der Cho­reo­gra­fin oder dem Cho­reo­gra­fen.

Beim Swing muss ich mir als Füh­ren­der beim Tan­zen über­le­gen, wel­che Figur ich tan­zen (und füh­ren) will. Die Erfah­rung hat mir gezeigt, dass die Geführ­ten dar­auf ganz unter­schied­lich reagie­ren. Und damit kom­me ich zu den Fein­hei­ten beim Füh­ren und geführt wer­den.

Wir haben ganz unter­schied­lich stark aus­ge­präg­te Vor­stel­lun­gen und Erwar­tun­gen, wie etwas abläuft, manch­mal wohl über­legt, manch­mal aus­wen­dig gelernt, manch­mal aus der Erfah­rung, manch­mal intui­tiv.

Ich bin nicht ger­ne Füh­rer, vor allem nicht, wenn ich selbst gera­de erst ler­ne und ich ganz für mich in den Groo­ve kom­men will. Ich brau­che län­ger, ich will mich inten­si­ver mit dem Tanz als Bewe­gung beschäf­ti­gen. Ich muss ler­nen, wie ich füh­ren will, und vor allem, wie ich tan­zen will. Das kommt so lang­sam zum Vor­schein, vor allem, weil ich jetzt einen Solo-Charles­ton-Kurs mache – Groo­ve pur. Aus die­sem Tanz­stil her­aus kann ich über­haupt erst Füh­ren ler­nen.

Die Geführ­ten hin­ge­gen müs­sen ler­nen, aktiv zu fol­gen.

Ich habe mich bei eini­gen Figu­ren füh­ren las­sen, von Frau­en und Män­nern. Das war eine sehr inter­es­san­te Erfah­rung und es war unfass­bar schwer, weil ich spie­gel­ver­kehrt den­ken muss­te und die gespie­gel­ten Figu­ren nicht die glei­chen sind. Aber es war nur unge­wohnt, man kann sich dran gewöh­nen.

Man­che Frau­en in der Swing-Schu­le ler­nen noch­mal die Kur­se als Lea­der durch, wenn sie ein­mal eine gewis­se Stu­fe des Kön­nens erreicht haben. Ich ken­ne kei­nen Mann, der als Fol­lower lernt. Leh­rer kön­nen aber bei­des. Ich weiß nicht, wie sie das gelernt haben, viel­leicht kann man ab einem gewis­sen Grad ein­fach umschal­ten.

Grund­sätz­lich ist das nur eine Gewohn­heits­fra­ge, ob man führt oder geführt wird. Des­halb mag ich Swing: man hat viel Spiel­raum.

Im übri­gen, das habe ich jetzt gelernt, sind die Schul­tern und der obe­re Brust­be­reich der wich­tigs­te Kör­per­teil für die Kom­mu­ni­ka­ti­on beim Füh­ren.

Ich ler­ne beim Swing viel für das Bal­lett und Modern Dance und umge­kehrt. Es wächst zusam­men, was zusam­men gehört.