Die ganze Zeit habe ich bezüglich PRISM ähnlich gedacht: Ich gehe davon aus, dass meine Daten mir unbekannt zugänglich sind. Und resignierend: Meinetwegen dürfen das alle wissen. Aber: Das ist vorauseilender Gehorsam. Der Grund liegt in der Unkenntnis, wer wo wie auf Daten zugreifen könnte, also geht man mal von irgendjemand überall vollstandig aus.
Zumindest könnte man sich die Moral ins Gedächtnis rufen, indem man sich fragt: Will ich das für mich und andere? Und wenn „Nein“: Änder ich was?
Es geht schließlich nicht nur um mich, es geht nicht um Einzelpersonen, es geht um Moral und um die Grundsätze einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Mit Moral meine ich Verhalten, das man im Allgemeinen von Mitmenschen oder von bestimmten Gruppen oder der Exekutive oder einer Behörde erwartet.
Wenn Frau Merkel und Herr Obama sagen, dass man sich unter Freunden nicht ausspioniert, sondern miteinander telefoniert, dann wundert mich diese persönliche Sicht und mir fehlt die Haltung. Ethik gilt also nur für die Beziehung Kanzler-Präsident und diese Beziehung wird als freundschaftlich bezeichnet, während alle anderen … potentielle Feinde sind? So ist die Ethik?
Ich müsste konsequent handeln, nachdem ich jetzt von PRISM weiß. Ich habe damit gerechnet, aber ich habe gleichzeitig damit gerechnet, dass es nicht passiert, weil es den Grundprinzipien einer Demokratie nicht entspricht. Das naiv zu nennen finde ich zynisch. Andererseits wären die konsequenten Schritte der teilweise Rückzug aus dem Netz, kein PayPal, kein Online-Banking …