Von Whitney Houstons Tod habe ich auf Twitter erfahren. Was es darüber zu sagen gab, erfuhr ich in fünf Sätzen, die CNN geschrieben hatte. Am selben Tag hörte ich mir ihr zweites Album an, weil ich noch nie etwas wirklich angehört hatte, nur zufällig die Hits. Sie hat eine großartige Stimme und die Musik ist ordentlich, gut komponiert, gut produziert. Love Is A Contact Sport kann ich mir in gewissen Zusammenhängen als angenehm vorstellen. Aber ich bin ja wohl auch einer der wenigen, die sich freuen, wenn sie gerickrollt werden. Die Balladen sind nicht so mein Fall, was daran liegt, dass ich die Produktion nicht leiden kann. Die Balladen sind im Musicalstil gehalten — anstatt aus sich heraus zu singen, scheint sie mich anzusingen zu wollen. Über ihren Drogenkonsum, den ausbleibenden Erfolg und ihre Beziehungen, über die man spricht als wäre sie die Tochter einer guten Freundin, erfuhr ich am nächsten Morgen von unserer Mitbewohnerin. Gossip. Wenn ich mehr wissen will, als ich über die Musik hören kann, lese ich Wikipedia. Anschließend las ich einen Nachruf in der taz, bei dem mir der Bissen meines Toasts mit Erdbeermarmelade aus Dänemark im Hals stecken blieb. Darauf will ich gar nicht näher eingehen, es ist so als ginge jemand zum Arzt und auf die Frage, wo im Hals tut es denn weh, rotzt derjenige als Antwort auf den Boden. Geoff Barrow von Portishead hat es wenigstens ehrlich einen Tweet zusammengefasst: „A good voice but fuking terrible music..“. Ich habe schon oft versucht, Argumente dafür zu finden, weshalb Musik, die mir nicht gefällt, schlecht ist. Einfach deshalb, weil ich es insgeheim glaube. Das ist etwas, was man mit sich selbst ausmachen muss: seine Arroganz in Frage stellen. Ich bin damit nicht weit gekommen, außer dass ich mich der Theorien der Kunst bediente und irgendetwas mit „Brüchen“ und „Widersprüchen“ formulierte. Mit anderen Worten, ich filtere Musik und lasse nur durch, was den Ansprüchen der Kunst genügt, um dann hoffentlich zu einem Genuss zu kommen, finde es aber völlig in Ordnung, wenn Musik funktioniert. Nur hat sie dann eine ebensolche Wirkung auf mich wie ein blanker Porzellanteller: lässt mich kalt, aber man kann ja etwas Leckeres drauf servieren. Schlimm finde ich eckige, blaue Teller mit bunten Blumen. Und genau an der Stelle fehlen mir Argumente, weshalb das so ist.
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