Hip-Hop

Wir hat­ten Kar­ten für Eric B & Rakim, weil wir „Paid in Full“ so toll fan­den. Es war ein Hip-Hop-Kon­zert mit ins­ge­samt vier Bands; die ande­ren waren für uns also Vor­grup­pen, die wir nicht kann­ten: Public Ene­my, Beas­tie Boys und LL Cool J. Es war 1987 in der Gro­ßen Frei­heit 36 in Ham­burg.

Zu unse­rer gro­ßen Ent­täu­schung sag­ten Eric B & Rakim ab, was wir erst dort erfuh­ren, es gab noch kein Inter­net und in der Tages­pres­se wur­de sowas nicht mit­ge­teilt. Wir fan­den Beas­tie Boys ziem­lich lus­tig, LL Cool J ziem­lich cool und Public Ene­my merk­wür­dig, weil einer eine gro­ße Plas­tik­uhr um den Hals trug und eine viel zu gro­ße Plas­tik­son­nen­bril­le. In dem einen Song ging es um irgend­was mit der Poli­zei, eine Sire­ne wur­de ein­ge­spielt und auf einer Box stand ein Blau­licht. Das mach­te Ein­druck auf uns, es schien ihnen wich­tig und ernst zu sein. Wir hat­ten mit der Poli­zei nie Ärger gehabt; in Kon­takt kam man mit ihnen nur, wenn man sein Fahr­rad regis­tie­ren las­sen woll­te. Man bekam dann einen Auf­kle­ber, auf dem „Lang­fin­ger weg — mein Rad ist regis­triert“ stand, kleb­te die­sen an den Rah­men und jag­te den Die­ben damit Angst ein.

Dabei sind wir in einem so genann­ten Ghet­to auf­ge­wach­sen, in regel­mä­ßi­gen Abstän­den konn­te man in der Zei­tung lesen, wie gefähr­lich es bei uns war. Es war kein Ghet­to, es ist eine Sied­lung, sie heißt Osdor­fer Born. Gewalt gab es in allen Stadt­tei­len und wäh­rend im Nach­bar­stadt­teil mit Benet­to­n­pul­lis gedealt wur­de, waren es dort Dro­gen. Spä­ter erfuhr ich, dass sowohl einer mei­ner bes­ten Freun­de als auch mein ärgs­ter Feind an Dro­gen star­ben. Mei­ne Dro­gen waren Musik, Bücher und Fil­me. Von mei­nem ers­ten selbst­ver­dien­ten Geld kauf­te ich mir einen Gitar­ren­ver­stär­ker, mit 16 spiel­te ich in einer Band.

Theo­re­tisch hät­te Hip-Hop damals bei uns ein­schla­gen kön­nen. Prak­tisch trenn­ten uns Wel­ten. Ich zog ’89 nach Hei­del­berg und dort kam drei Jah­re spä­ter der ers­te ernst­zu­neh­men­de Track raus: „Fremd im eige­nen Land“. Ich fand den sehr gut, aber es war nicht mei­ne Hood.

Zwan­zig Jah­re spä­ter fuhr ich in den Osdor­fer Born, um dort Fotos zu machen. Ich ging mei­nen alten Schul­weg ab und nahm ein Foto von zwei Men­schen auf, die mir gera­de ent­ge­gen kamen. Es ist eines mei­ner bes­ten Por­traits gewor­den.

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